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Drehverschluss - nein danke??

Guter Wein - nicht verkorkt?

Die Tradition will es so: Ein guter, ein hervorragender Wein muß mit einem echten Korken verschlossen sein. Drehverschluß – nein danke! Das muß ja mindere Qualität von Wein sein.

Leider müssen wir in wachsendem Maße feststellen, daß selbst große Weine oft eine Flasche mit Korkengeschmack – "Zapfe" sagen wir Deutschschweizer dazu – in der Kiste mitgeliefert haben. Die zunehmende Nachfrage nach Korken hat offensichtlich auch eine Verlagerung zu schlechterem Ausgangsmaterial zur Folge. Viele Fachfirmen suchen nach einem adäquaten Ersatz, mit dem dieses heute teure Risiko einer durch Korkgeschmack zerstörten Flasche Wein ausgemerzt werden kann.

Eine Lösung ist der Drehverschluß. Doch vielen Weintrinkern fehlt dann das Ritual mit dem Zapfenzieher und dem so gern gehörten "plopp". Doch neben diesen emotionalen, traditionsverhängten Aspekten sollten eigentlich auch rationale, qualitätsorientierte Überlegungen Raum finden können.

Die Westschweizer Weinwirtschaft macht es vor. Seit Jahren wächst der Einsatz von Drehverschlüssen auch bei den allerbesten Chasselas-Weinen aus dem Waadtland und dem Wallis. Dazu kann man den Winzern nur gratulieren. Diese Weine sind auf eine rasche Konsumation ausgerichtet und bedürfen deshalb der Atmungsfähigkeit des Korkens nicht mehr.

Von diesem Wechsel zum Drehverschluß haben wirklich alle etwas: Der Winzer, der Wirt, der Gast, die Heimkonsumenten, die Natur – und vor allem alle Weine, die auf gutes Korkenmaterial angewiesen sind, weil sie sich in der Flasche noch einige Jahre entwickeln müssen.

Für mich gilt: Weine, die zur raschen Konsumation anstehen, soll man mit Drehverschluß ausliefern und damit den nicht benötigten guten Korken einem andern Wein zukommen lassen, der diesen Qualitätskorken gebrauchen kann.

6. Juli 2005 RM